Google experimentiert derzeit mit einem neuen Badge für bestimmte Suchanzeigen, das die Kennzeichnung „Stärkste Übereinstimmung“ oder „Starke Übereinstimmung“ anzeigt. Dies könnte die Wahrnehmung bezahlter Suchergebnisse durch Nutzer und die Einschätzung der Anzeigenrelevanz durch Werbetreibende verändern. Google Ads-Produktbeauftragte Ginny Marvin informierte am 23. Juni 2026 darüber.
Das Experiment ist vorerst noch in seinem Umfang begrenzt, hat aber bereits zu erheblichen Diskussionen unter Werbetreibenden darüber geführt, wie die Labels bestimmt werden und ob sie das Klickverhalten beeinflussen könnten.
Wie die Etiketten aussehen
Im Rahmen des Tests werden zwei verschiedene Relevanzstufen für Anzeigen eingeführt. „Stärkste Übereinstimmung“ signalisiert, dass Google mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgeht, dass eine Anzeige für eine bestimmte Suchanfrage relevant ist. „Starke Übereinstimmung“ steht für eine etwas geringere, aber immer noch hohe Relevanz. Beide Kennzeichnungen werden bei einigen Suchanzeigen als Badges angezeigt.
Wie Marvin anhand eines Beispielbildes demonstrierte, steht das Label „Größte Übereinstimmung“ über „Starke Übereinstimmung“. Es handelt sich dabei nicht um neue Kategorien von Anzeigeninventar, sondern um Auszeichnungen, die bestehenden Anzeigen zugewiesen werden, die bereits die Relevanzschwelle gemäß Googles aktuellem System erfüllen.
Was Google sagte
Ginny Marvin kündigte das Experiment über ihre Profile auf LinkedIn und X an und lieferte dabei etwas mehr Details als üblich vor dem Start eines UI-Experiments. In ihrem Beitrag schrieb sie: „Wir optimieren und testen ständig Dinge. Daher kann ich zwar keine Vorschau für jedes neue UI-Experiment versprechen, aber ich dachte, es wäre interessant, die Hintergründe dieses Experiments zu erläutern, bevor es öffentlich zugänglich ist.“
Ziel ist es, Nutzern zu helfen, die relevantesten Informationen für ihre Suchanfrage zu finden und Werbetreibenden eine effektivere Ansprache von Zielgruppen mit hoher Kaufabsicht zu ermöglichen. Marvin betonte außerdem, dass für dieses Experiment keine zusätzlichen Daten verwendet werden. Sie stellte erneut klar, dass die Anzeigenkennzeichnung in diesem Experiment keinen Einfluss auf die Auktion und das Anzeigenranking hat. Diese Frage wurde nach der Ankündigung wiederholt von Werbetreibenden gestellt.
Wie das Relevanzsignal funktioniert
Google hält sich bezüglich der Details dieses Experiments bedeckt. Das Unternehmen gibt an, dass die Kennzeichnungen in diesem Test auf bestehenden Signalen für Anzeigenqualität und -relevanz basieren, die Google zur Bewertung der Anzeigenrelevanz innerhalb seiner Systeme verwendet. Die Kennzeichnung führt in diesem Test keine neuen Rankingfaktoren ein, sondern zeigt lediglich die Relevanz der Anzeige in der Benutzeroberfläche an.
Es nutzt die Komponenten des Qualitätsfaktors, die Elemente wie die erwartete Klickrate (CTR), die Anzeigenrelevanz und die Nutzererfahrung auf der Landingpage umfassen, ohne dass neue Daten eingegeben werden müssen. Es ist jedoch unbekannt, wie stark die einzelnen Komponenten bei der Vergabe eines Labels gewichtet werden und ob mehrere Werbetreibende dieses Label in einer Auktion erhalten können.
Das ist tatsächlich einer der Hauptpunkte, die nach der Ankündigung diskutiert wurden. Viele Werbetreibende fragten sich, ob dieses Label auf den bestehenden Relevanzsignalen von Google basiert oder ob es ein neues System zur Bewertung der Relevanz gibt und ob die Gebotsstärke dabei eine Rolle spielt. Googles Aussagen deuten darauf hin, dass die Gebotsstärke kein Faktor ist, die genauen Details bleiben jedoch unklar.
Reaktionen der Werbetreibenden
Die Reaktion der Werbetreibenden war verhalten interessiert, aber auch skeptisch. Kristen Kelleher, Leiterin des Bereichs Paid Search bei Neighbor, bat Marvin, die einzelnen Komponenten der Bewertung unter dem Label „Übereinstimmung“ zu erläutern, wie beispielsweise den Qualitätsfaktor des Keywords, die Anzeigenrelevanz, die Nutzererfahrung auf der Landingpage oder andere anzeigenbezogene Faktoren. Marvin verwies Kelleher auf die Google-Hilfeseite zur Anzeigenqualität, ohne jedoch die Details des Algorithmus zu erläutern.
Die wichtigste Frage, die Justin Windschitl, Digital Marketing Strategist bei der Paid-Media-Agentur variable, aufwirft, betrifft mögliche Fehler im Kennzeichnungsprozess und deren Folgen für Unternehmen. Seine Bedenken berühren den Kern dessen, was diesen Test so bedeutsam macht. Sollte die Kennzeichnung gelegentlich fehlerhaft sein, würden manche Werbetreibende von Google faktisch bevorzugt, andere hingegen übergangen – und diese Entscheidung wäre für niemanden transparent.
Eine offene Frage von Werbetreibenden ist, ob die beste Übereinstimmung immer das erste Suchergebnis sein sollte. Denn wenn sie nur als Top-Anzeige erscheint, unterstreicht dies lediglich Googles eigenen Entscheidungsprozess. Kann sie hingegen auch an anderen Stellen in den Suchergebnissen erscheinen, fügt sie ein neues Element hinzu, das der Nutzer neben der Anzeigenposition bewertet.
Warum dieser Test für Werbetreibende wichtig ist
Es handelt sich um mehr als nur eine weitere Verbesserung der Benutzeroberfläche. Sollte dieses Experiment ausgeweitet werden, könnten Werbetreibende mit hoher Relevanz und Qualitätssignalen für ihre Anzeigen einen entscheidenden Sichtbarkeitsvorteil erlangen. Nutzer, denen das Label „Beste Übereinstimmung“ angezeigt wird, klicken mit höherer Wahrscheinlichkeit auf diese Anzeige, unabhängig von ihrer Position auf der Seite. Dies wäre eine Revolution im Wettbewerb um Sichtbarkeit in Suchanzeigen.
Andererseits könnten Anzeigen ohne diese Kennzeichnung deutlich leichter übersehen werden, selbst wenn sie weiter oben auf der Seite platziert wären. Dies führt zu einer neuen Dynamik im Zusammenspiel von Anzeigenposition und Relevanz im Entscheidungsprozess des Nutzers.
Das Experiment „Stärkste Übereinstimmung“ ist nur ein weiteres Beispiel für die zahlreichen Änderungen an der Kennzeichnung und Darstellung von Suchergebnissen, die Google im Laufe des letzten Jahres eingeführt hat. Es verdeutlicht den klaren Trend, die Auswirkungen zusätzlicher Kennzeichnungen und Signale auf das Nutzerverhalten und die Interaktion zu testen.
Der breitere Kontext
Dieser Test findet nicht isoliert statt. Google arbeitet schrittweise daran, seine Werbesysteme transparenter und verständlicher für Nutzer zu gestalten, indem KI-gestützte Funktionen wie KI-Übersichten und der KI-Modus das Sucherlebnis verändern. Relevanz war schon immer ein wichtiger Bestandteil von Googles Anzeigenauktionssystem, doch diese Signale waren für Nutzer nicht sichtbar.
Da Google in den Suchergebnissen nun KI-verarbeitete Suchbegriffe anstelle der vom Nutzer eingegebenen Wörter anzeigt – insbesondere bei Suchanfragen, die über KI-gestützte Funktionen (KI-Übersichten, KI-Modus, Google Lens, Autovervollständigung) erfolgen –, bezeichnet Google den angezeigten Suchbegriff als „bestmögliche Annäherung an die Nutzerintention“. In diesem Zusammenhang ist die Angabe eines Relevanzhinweises direkt in den Suchergebnissen ein wichtiger Schritt. Er signalisiert dem Nutzer, dass die Google-Systeme diese Anzeige nicht nur für seine tatsächlichen Suchbegriffe, sondern auch für seine tatsächliche Intention als relevant einstufen.
Werbetreibende sollten diesen Test genau beobachten. Was heute noch ein kleines Experiment ist, kann morgen schon zur Standardfunktion gehören, und das Feedback der Community während dieses Zeitraums wird die weitere Entwicklung maßgeblich beeinflussen.
Was kommt als nächstes
Google hat sich noch nicht dazu geäußert, ob die Kennzeichnungen dauerhaft in die Werbesysteme integriert werden. Laut Marvin wird dieser Test derzeit mit einem kleinen Prozentsatz der Nutzer in den USA durchgeführt, um den Nutzen dieser Kennzeichnung zu ermitteln. Die Evaluierungsphase läuft noch, und es wurden noch keine Termine für eine mögliche Einführung oder eine Entscheidung über die dauerhafte Implementierung dieser Funktion genannt.
Werbetreibende sollten vorerst ihre Qualitätsfaktor-Komponenten, insbesondere die Anzeigenrelevanz und die Nutzererfahrung auf der Landingpage, im Auge behalten, da diese die Hauptfaktoren für das Label „Stärkste Übereinstimmung“ zu sein scheinen. Um die Auszeichnung „Stärkste Übereinstimmung“ zu erhalten, sollten Werbetreibende thematisch passende Anzeigengruppen mit gut abgestimmten Keywords, Anzeigentexten und Landingpages schalten.
Häufig gestellte Fragen
Frage 1: Was bedeuten die Bezeichnungen „Größte Übereinstimmung“ und „Starke Übereinstimmung“ bei Google-Suchanzeigen?
Hierbei handelt es sich um Kennzeichnungen, die Google für bestimmte Suchanzeigen testet, um die Relevanz der Anzeige für die Suchanfrage eines Nutzers zu signalisieren. „Beste Übereinstimmung“ ist eine höhere Stufe, während „Gute Übereinstimmung“ eine etwas niedrigere, aber immer noch hohe Relevanzkennzeichnung bedeutet.
Frage 2: Wer hat dieses Experiment angekündigt?
Ginny Marvin, Produktbeauftragte bei Google Ads, kündigte das Experiment am 23. Juni 2026 auf LinkedIn und X an, noch vor dem offiziellen Start der Testphase.
Frage 3: Wo wird das Experiment aktuell durchgeführt?
Aktuell wird der Dienst nur einem kleinen Prozentsatz der Nutzer in den USA zur Verfügung gestellt. Google hat noch keine Pläne angekündigt, ihn auf andere Länder auszuweiten.
Frage 4: Beeinflusst das Label die Platzierung der Anzeigen in der Auktion?
Nein. Marvin bestätigte, dass dieses Abzeichen in diesem Experiment keinen Einfluss auf die Auktion und das Ranking der Anzeigen hat. Es handelt sich lediglich um ein visuelles Signal für den Nutzer.
Frage 5: Welche Signale bestimmen, welche Anzeigen das Label erhalten?
Google erklärte, dass diese Kennzeichnung auf bestehenden Signalen zur Anzeigenqualität und -relevanz basiert, die bereits in den Werbesystemen des Unternehmens verwendet werden, wie beispielsweise Komponenten des Qualitätsfaktors wie die erwartete Klickrate, die Anzeigenrelevanz und die Nutzererfahrung auf der Landingpage. Das Unternehmen hat keine weiteren Details zum Kennzeichnungsalgorithmus veröffentlicht.
Frage 6: Können mehrere Werbetreibende in derselben Auktion das Label erhalten?
Google hat dies noch nicht geklärt. Diese Frage wurde unter anderem von Werbetreibenden aufgeworfen.
Frage 7: Wird das Label „Beste Übereinstimmung“ immer bei der Anzeige mit dem höchsten Rang angezeigt?
Auch Google hat diese Frage nicht geklärt. Ob das Label auch auf Anzeigen erscheinen kann, die nicht an erster Stelle der Suchergebnisseite (SERP) stehen, ist eine der offenen Fragen, die von Werbetreibenden aufgeworfen wurden.
Frage 8: Wie könnte sich dieses Experiment auf die Klickraten auswirken?
Wenn Nutzer dem Label als Relevanzsignal vertrauen, können Anzeigen mit dem „Beste Übereinstimmung“-Siegel unabhängig von ihrer Position mehr Klicks erzielen. Umgekehrt könnten Anzeigen ohne dieses Label selbst bei einer höheren Position weniger Interaktionen verzeichnen.



